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24 Jun

Meine Freunde, ihre Meinung -Gänzeb yällem

Veröffentlicht von Solveig

Meine Freunde, ihre Meinung -Gänzeb yällem

Gänzeb yällem, was soviel heißt wie Geld gibts nicht!

Vor einigen Wochen haben mich zwei Freundinnen besucht! Ihre Erfahrungen in Awassa, haben sie für mich in einem neuen Blogeintrag festgehalten. Zu dem ersten Foto sollte ich noch erwähnen, dass es sich dabei um eine Hommage aus Ulrich Seidels Film "Paradies:Liebe" handelt. Ein gandioser, wenn auch erschütternder Film!!

Viel Spaß beim Lesen :)

Yoouuu! Ferenji!

So wurden wir in den letzten zwei Wochen ständig gerufen, aus allen Richtungen zeigten Finger neugieriger Kinder auf uns, viele wollten uns Dinge wie z.B. Plastiktüten oder Löffel aus Kuhhörnern andrehen. Mit unserer weißen Haut und Emmas blonden Haaren sorgten wir, wohin wir auch gingen, immer für Aufmerksamkeit. Die mutigen Kinder fassten uns sogar an, um einmal die für sie farblose Haut fühlen zu können, die frecheren Kinder hielten uns auch mal fest. Am Anfang war es noch furchtbar niedlich, in die vielen dunklen Gesichter mit den neugierigen großen Augen und dem breiten Grinsen zu blicken. Schon bald erwies es sich aber als ziemlich anstrengend. Hinzu kam die wirklich nervige Angewohnheit- oder ist es tatsächlich Überzeugung?- der Äthiopier, weiße Haut direkt mit viel Geld in Bezug zu bringen. Überall wurden uns offene, nach Geld bittende Hände entgegengestreckt, und wenn wir etwas kaufen wollten, musste immer hart um jeden Cent verhandelt werden. Das hätten wir ohne Solveig natürlich niemals geschafft: selbst nach zwei Wochen, wenn wir uns mal alleine etwas trauten, wurden wir gnadenlos abgezogen oder ausgelacht. Immer wieder bewunderten wir Solveig, wie sie selbstbewusst und handfest in für unsere Ohren „fließendem“ Amharisch mit den Äthiopiern verhandelte. „Hamsa! Hamsa!“ sagte sie dann, wenn sie einen unverschämten Preisvorschlag von etwa 200 Birr für eine Taxifahrt auf 50 Birr herunterhandelte. Und es klappte immer! Und so kamen wir vom Flughafen in Addis mit dem Taxi zu unserem Hotel, am nächsten Tag mit einem Bus über die langen Landstraßen mitten durch äthiopische Landschaft nach Hawassa, und in Hawassa bewegten wir uns täglich mit dem Badgat von A nach B. Auch der Verkehr beeindruckte uns: so viel Chaos auf den Straßen, in dem trotzdem jeder einigermaßen heil zu seinem Ziel kommt, hatten wir noch nie erlebt! „Wer bremst, verliert“ ist hier wohl die einzige Regel im Straßenverkehr.
In den ersten Tagen zeigte Solveig uns Hawassa: wir gingen am See Fisch essen, der dort super lecker schmeckt und mit der Hand gegessen wird, spazierten durch den Affenpark, wo wir die einen Affen auf dem Kopf sitzen hatten und andere Affen uns die Kekse klauten, besichtigten den Fischmarkt mit den großen Marabuvögeln. Wenn wir eine kleine Pause oder Erfrischung brauchten, konnten wir jederzeit den superleckeren, frisch gepressten Mango-, Ananas-, Erdbeer- oder sogar Avocado-Juice trinken (letzteres erwies sich aber als nicht ganz so lecker). Außerdem haben wir Solli in ihrer Schule besucht, am Unterricht teilgenommen und ihre Schüler kennengelernt. Die sind eigentlich nicht anders als deutsche Kinder: zwar ganz niedlich, machen aber viel Blödsinn und toben durch das Klassenzimmer. Beim Unterricht waren sie aber voll dabei, in Kunst haben wir Bilder gemalt und in Musik verschiedene Rhythmen auf leeren Trinkwasserkanistern getrommelt.
Dass man das Trinkwasser erst in Kanistern kaufen muss oder das Leitungswasser sowie der Strom manchmal einfach ausfällt, war für uns natürlich auch ungewohnt- genauso wie mehrere bis zu bedrohlichen 10cm großen Kakerlaken in der Küche oder im Wohnzimmer…

So vergingen die Tage in Hawassa wie im Fluge, und wir machten uns am Wochenende auf zum „Badeparadies Langano See“, um uns dort in einer wunderschönen Logde zu erholen und im See zu baden. Wie wir zurück nach Hawassa kommen sollten, war zu dem Zeitpunkt noch nicht geklärt, aber als wir am Ende des Wochenendes dann wieder auf der langen, nicht enden wollenden Landstraße mitten im Nirgendwo standen, hielt zum Glück eine sehr nette äthiopische Familie an, die noch 3 Plätze für uns frei hatte und uns wieder zurück mit nach Hawassa nahm.

Die Transportmöglichkeit wurde auch am nächsten Wochenende wieder zum Problem: Wir hatten uns einen Fahrer mit Auto organisiert, wie das in Äthiopien halt so üblich ist; das Auto hatte allerdings keine besonders große Lust auf die 6 Stunden lange Tour. Am Freitag kamen wir noch heil in der auf einem großen Berg gelegenen, wunderschönen „Paradise Lodge“ an und bekamen einen Lemongrass- Juice als Begrüßungsdrink. Am darauffolgenden Tag fuhr uns dann der Farid (unser Fahrer) zum Eingang des Nationalparks und wir machten zusammen mit einem bewaffneten Scout eine Safari- Tour: zunächst fuhren wir mit einem kleinen Boot auf die andere Seite des Sees um uns dort bei gefühlten 70°C die Zebras und Gazellen anzuschauen. Danach besichtigten wir noch die riesigen Krokodile (das größte, welches wir sahen war ungefähr 3-4m lang und geschätzte 200kg schwer) und die süßen Hippos mit ihren Babys.

Nach der 3 stündigen Tour wollte uns Farid dann wieder ins Hotel bringen, nur leider machte das Auto auf halber Strecke schlapp, sodass wir, noch sichtlich amüsiert, die letzten Kilometer zu Fuß gingen.

An unserem Abreisetag holte uns Farid pünktlich ab, die Vorfreude auf Hawassa war groß, sie wurde allerdings 10 Minuten später sichtlich gedämpft, als unser Auto an einer Tankstelle liegen blieb. Während wir drei uns mit „Mangos ernten“ vergnügten, versuchte Farid verzweifelt das Auto wieder zum Fahren zu bringen. Nach einer Stunde hatte er es dann endlich verbracht und wir fuhren weiter.

Nach vier weiteren Pannen war uns dann jedoch auch der Spaß vergangen und wir wollten mit dem Bus die letzten 3 Stunden bestreiten.

Wir versuchten zu verhandeln, doch Farid sah den Deal nicht ein, doch zu unserem Glück hielt ein Unicef- Auto und die Insassen halfen uns zu vermittelen und brachten uns schließlich in die nächste Stadt, von wo aus wir den Bus nach Hause nahmen.

Wir wissen alle nicht was aus unserem Farid geworden ist; das letzte Mal sahen wir ihn, als wir mit dem Bus laut kreischend an ihm vorbeisausten und er sein Auto gerade einen Berg runterschob; gefolgt von ca. 15 Äthiopiern. Wir wünschen ihm an dieser Stelle Alles Gute für seine Zukunft und vor allem für sein Auto.

Vollkommen erschöpft kamen wir endlich zu Hause an und Sollis Mitbewohnerin hatte für uns gekocht; gleich nach dem Essen fielen wir erschöpft in die Betten und schliefen bis mittags.

Der nächste und letzte Tag in Hawassa verbrachten wir mit letzten Einkäufen, Koffer packen und Abschied nehmen. Denn am nächsten Morgen ging es schon um 6.00 Uhr mit dem Bus Richtung Addis Ababa; dort verbrachten wir die Nacht im GIZ- Haus und am nächsten Tag war dann der Abschied von Solli gekommen.

Ein paar Tränen und viele Umarmungen später saßen wir dann im Flieger nach Dubai. Dort angekommen, entschlossen wir uns spontan unsere 12 Stunden Aufenthalt mit Thunfisch, Mozzarella, Lemon- Mint- Juice und zwei Kamelen am paradisischen Strand bei 40°C und 70%iger Luftfeuchtigkeit zu verbringen; es war ein Erlebnis, in Unterwäsche um 3 Uhr nachts im Meer (Wassertemperatur ca. 30°C) baden zu gehen; die Skyline von Dubai im Hintergrund.

Zurück in Hamburg holte uns Franzis Mutter ab und chauffierte uns zurück nach Lüneburg, wo Emma dann auch abgeholt wurde.

Alleine die Tour von Hamburg nach Lüneburg ging so schnell; wir mussten noch nicht einmal mit dem Fahrer verhandeln; die deutsche Kultur hatte uns wieder!

Alles in allem war es ein sehr aufregender und wunderschöner Urlaub, es hat uns sehr viel Spaß gemacht.

Danke, Solli, für die wohl beste und einmaligste Abifahrt, die es jemals gegeben hat! Wir haben dich lieb und freuen uns wenn du wiederkommst ♥

Krokodile, sympatische Reptilien
Krokodile, sympatische Reptilien
Krokodile, sympatische Reptilien
Krokodile, sympatische Reptilien
Krokodile, sympatische Reptilien

Krokodile, sympatische Reptilien

Da standen wir nun das erste Mal und konnten die schöne Aussicht genießen, bevor wir nach zum Hotel gelaufen sind
Da standen wir nun das erste Mal und konnten die schöne Aussicht genießen, bevor wir nach zum Hotel gelaufen sind

Da standen wir nun das erste Mal und konnten die schöne Aussicht genießen, bevor wir nach zum Hotel gelaufen sind

Und das übernächte Mal, nur war es da nicht mehr so lustig ...

Und das übernächte Mal, nur war es da nicht mehr so lustig ...

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Franzi 07/01/2013 00:22

"Wir wünschen Farid an dieser Stelle alles Gute für seine Zukunft und vor allem für sein Auto" :D

Papa 06/26/2013 09:47

Wunderbarer Bericht. Bis auf die gefühlten 70°C kann ich alles unterschreiben: So oder so ähnlich habe ich auch meinen Urlaub in Äthiopien erlebt! Und bei meiner Ankunft in Frankfurt habe ich am Bahnsteig überlegt, wie ich einem Äthiopier jetzt erklären sollte, was hier passiert. Äthiopien und Deutschland unterscheiden sich fundamental!

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Ein Jahr Äthiopien